VR Porn – Der Weg zum One-People-Sex?

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Jetzt mach ich es also doch, ich schreib einen Artikel über VR Porn. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken, nicht ganz ohne die unbegründete Hoffnung auf Milliarden von Klicks und doch werde ich die meisten Hardstrüffler gleich hier enttäuschen.

Zum Anfang der Hinweis: Es wird hier es keine Filmchen oder Anleitungen geben, wie ihr zum surreal realem VR-Sex-Erlebnis kommt.

Wir werden uns eher mit technischen Details und den Fragen beschäftigen: Was bringen Pornos der VR-Branche und wie tiefgreifend kann der Einfluss auf unser Sexualleben im Allgemeinem und auf unser Masturbationsverhalten im Speziellen sein. Denkt man über dieses Thema jenseits persönlicher Interessen, bedingt durch geschlechtliche Normatierungen, etwas vorausschauender nach, stellt sich recht schnell die Frage, wo das ganze Enden soll und ob viele von uns zukünftig ihr Sexleben als One-People-Show unabhängig von reellen Partnern ausleben werden. Zuerst allerdings:

Was ist technisch bereits möglich und wie fühlt es sich an?

Dass pornografische Inhalte eine Schlüsselstellung bei der Durchsetzung und Verbreitung von VR-Systemen spielen könnten, wurde vielen Herstellern und Interessierten relativ schnell klar. So verkündete etwa Palmer Luckey (CEO von Oculus Rift) auf die Frage, ob pornografische Inhalte auf der Oculus Rift blockiert werden:

“Die Rift ist eine offene Plattform. Wie kontrollieren nicht, welche Software darauf laufen darf. Und das ist sehr wichtig”

Die Pornoindustrie war bisher bei vielen technologischen Neuerungen entscheidend an der Durchsetzung der Selben beteiligt. Genannt werden muss hier das VHS-Format, die CD-Rom oder Streaming-Video. Das Internet wäre ohne Pornos ja auch kaum denkbar. Und so ist es der spanische Anbieter VirtualRealPorn, der auch bei VR ganz vorne mitmischt und mit nicht mal schlechte Filmchen im Angebot hat. Möchte man mehr als 30 Sekunden davon sehen, wird natürlich ein Obulus fällig. Damit wird VirtualRealPorn wohl derzeit der einzige VR-Inhalte Anbieter sein, der überhaupt nennenswerte Umsätze erwirtschaftet. Aber der ganze Bereich ist sehr aktiv und so gibt es jetzt schon einige weitere Anbieter, die auf diesen Zug aufspringen. Die Filmchen sind aktuell vor allem für Oculus Rift, Gear VR und Google Cardboard erhältlich. Testweise (ja, wirklich) haben wir uns ein paar Trailer von VirtualRealPorn angeschaut und waren von erschrocken bis belustigt über desorientiert fast alles, außer -das Entscheidende- erregt waren wir nicht. Schon der Vorgang, den Film auszuwählen, das Handy in die Brillenfassung zu pressen und sich schnell ein Headset aufzusetzen, törnt ungemein ab. Dann sind die Dimensionen der Körper völlig unproportional zu unserem, alles wirkt wie verzerrt, mal sind die Menschen im Video kleiner als wir, mal denkt man, man hat Riesen vor sich. Trotz allem ist die Video-Qualität an sich recht anschaulich und im Vergleich zu manchen 360° Testvideos spielen diese qualitativ in der oberen Liga mit.
Neben Videofilmen gibt es noch einige eher lustige VR-Apps, mit leicht bekleideten Anime-Figuren:

Aber ehrlich gesagt sparen wir uns hier die Tests, denn das ist eher Spielerei als alles andere. Vermutlich steht in Japan schon ein ganzer Industriezweig in den Startlöchern, um uns mit animierten Mädchen mit großen Kulleraugen in VR zu beglücken.

Auch wenn die eigentlichen Inhalte also noch ein ganzes Stück davon entfernt sind perfekt zu sein, so wurde schon hart an der Masturbationshardware gearbeitet und ein Oculus Rift-, Gear VR und Cardboard kompatibles Hightechprodukt steht schon in den virtellen Regalen:


(Quelle: Screenshot lovense.com)

Wagen wir einen kleinen Ausblick: In nicht allzu ferner Zeit, werden die VR-Brillen kleiner und leichter. Der Porn-Content wird sich qualitativ und vor allem quantitativ massiv erweitern und vollvernetzte Wixxhelfer werden wireless und contentgesteuert die notwendigen Bewegungen und Vibrationen erzeugen um uns maximal real zum Höhepunkt zu bringen. Noch ein Stückchen weiter gedacht, wird es riesige per VR begehbare 3d Welten geben, in denen man praktisch mit jedem VR-Sex haben kann. LindenLabs, Erschaffer der Online 3D Welt “SecondLife” arbeitet beispielsweise schon längst an einem VR-Pendant und ja es gab eine Zeit, da konnte man bei  “SecondLife” praktisch alles bzw. jeden ficken.

Brauchen wir bald keinen Partner mehr für guten Sex?

Diese Frage ist natürlich absichtlich zuspitzend formuliert. Ganz sicher brauchen wir auch zukünftig für wirklich guten Sex einen Partner. Denn bei wirklich guten Sex geht es auch um Liebe, um das sich Einfühlen, um die gemeinsame Erfahrung von Körper und Lust. Die reale Berührung kann und wird nicht so schnell von der Digitalen ersetzt werden können. Trotzdem wird hier eine neue Tür aufgestoßen und eine völlig anders als bisher erlebbare Pornowelt könnte dahinter zu finden sein. Nicht wenige Menschen werden sich darin verlieren und solche Erscheinungen wie “Pornosucht” könnten auf einem erheblich schlimmeren Level öffentlich in Erscheinung treten. Auch wenn ich mich als frei-geistigen Menschen ohne als zu große moralische Tabus begreife, habe ich hier ein wenig bedenken, dass das System VR-Porn, einmal perfektioniert, sich in eine nicht mehr kontrollierbare unschöne Richtung entwickelt. Der simplen kapitalistischen Logik folgend, dass jedes Produkt (auch digitale), für das jemand bereit ist Geld zu zahlen auch produziert und verfügbar sein werden wird, sehe ich da schon einige Skandale am Horizont auf blitzen.
Was schon jetzt absehbar ist, dass der Unterschied zwischen realen Sex und “Masturbationssex” kleiner wird. Für einige -hoffentlich wenige- wird vielleicht Letzterer so erfüllend sein, dass nach einem Partner gar nicht mehr in der reellen Welt gesucht wird. Unsere Vorstellung davon, wie Sex zu sein hat, wird zukünftig statt von “normalen” Pornos verstärkt von VR-Sex geprägt sein. In welche Richtung sich dieser entwickelt wird sich noch zeigen müssen.

Wird VR-Sex selbst ein Erfolgsmodell und bleibt nicht in seiner dunklen, schmutzigen Nische besteht die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich das Sexualleben der Menschen insgesamt völlig verändert. Stellt euch Skype mit VR- und Sextoy-Anbindung und dann eine Generation, die genau damit aufwächst vor und ihr bekommt eine Ahnung, was da auf uns zu kommen kann. Trotzdem ist dies nicht nur negativ zu bewerten, wie immer bei neuen Massentechnologie die sich breit durchsetzen, gibt es auch guten Seiten und wir als Menschen finden immer einen Weg damit klar zukommen. Die wirkliche, zwischenmenschliche Liebe und der damit verbundene partnerschaftliche Sex wird nicht sterben. So optimistisch bin ich dann doch…

Über den Autor
Tom Scharlock

Tom Scharlock

Virtual Reality Enthusiast der vorletzten Stunde, zu Hause in den zwiebelförmig Schichten der Matrix_en des Lebens und immer auf der Suche nach der roten Pille. The Blue One SuXs!

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